Am Donnerstag, den 12. August folgten wir vom NABU Neustadt – zusammen mit anderen NABUlern – einer Einladung zum Bioland-Weingut Ludwig Seiler auf seinen Hof: Geplant war eine Führung durch die anliegenden Weinberge bei Weyher mit ökologischem Weinanbau .

Pelzbienen-Ölkäfer

Auch ein Journalist der Rheinpfalz war zugegen, der eine Reihe über besonders interessante Bio-Höfe der Region veröffentlichen wird.

Mit spannender Erwartung trafen wir abends auf dem Hof ein, wurden in freundlicher Atmosphäre begrüßt und in die Besonderheiten des Biolandbaus eingewiesen. Herr Seiler hatte sich sehr professionell und passioniert auf unseren Besuch vorbereitet: zunächst besichtigten wir ein 100 Jahre altes anliegendes Gemäuer und bekamen dabei eine Besonderheit präsentiert: Herr Seiler zeigte uns ein Exemplar des absolut seltenen „Pelzbienen-Ölkäfers„, der in Mauerfugen im weichen Mörtel lebt und sich von den Larven der Wildbiene ernährt. Das schmucke Tierchen wurde per Pinzette aus den Mauerritzen gefischt und uns zur Ansicht vorgeführt. Wir waren sehr angetan, diese Rarität begutachten zu dürfen!

Hier einige interessante Informationen über den Käfer: er legt bis zu 1000 Eier, lässt sich im Flug von den Wildbienen mittragen und enthält ein Gift, welches früher als Potenzmittel verwendet wurde. Er ist seit 1950 in unseren Breiten wieder bekannt und galt als ausgestorben

Es folgte eine weitere Spezialität: Herr Seiler zeigte uns den Großen Rosenkäfer (Protaetia aeruginosa), auch Großer Goldkäfer genannt, der äußerst selten ist (in Deutschland Rote Liste 1-Art = „Vom Aussterben bedroht“). Des weiteren eine Gruppe Lehm-Amphoren der eingewanderten neuen Art Sceliphron curvatum, die mit Spinnen als Futtervorrat gefüllt waren.

Anschließend marschierten wir gen Bio-Weinberg und passierten auf dem Weg dorthin die Staude einer Kermesbeere, deren Frucht eingige von uns vorsichtig testeten: zunächst süßlich im Geschmack – und sehr speziell im Nachgeschmack.

Herr Seilers Bio-Weinberg beeindruckte uns durch die vielen Bienen-/ Insektenhotels, die dort befestigt sind. Wir wurden mit reichlich interessanten Informationen über den Weinanbau und die natürlichen Bepflanzungen der Reihen ausgestattet.

Hier einige interessante Inhalte:
Die Bienenhotels bestehen aus Robinienholz, das Bodenpflegesystem wird selbstverständlich ohne Zusatzdüngung bearbeitet – auf folgende Weise: Jede 2. Gasse wird – zur Förderung der Bodenfruchtbarkeit – nach der Ernte mit Winterroggen, Wicken, Senf, Buchweizen und weiteren Pflänzchen bis ca. Mitte Mai begrünt und danach gewalzt, damit zur Beschattung des Bodens eine Mulchdecke – wie ein Teppich – entsteht.

Herr Seiler verwendet selbstverständlich keine Unkrautvernichtungsmittel/Herbizide, sondern beispielsweise Gesteinsmehl/Tonerde zur Verhinderung des Mehltaus.

Mit leidenschaftlicher Begeisterung führte er uns dann direkt mitten in seinen Weinberg, um uns eine seltene Pflanzenart der Roten Liste zu zeigen: die Ackerringelblume.

Zum Abschluss der einzigartigen Führung folgten wir Herrn Seiler zu einem romantisch gelegenen Plätzchen im reizenden Modenbachtal, wo er seine zwei Esel weiden lässt.

Zur Info: mit seinen Eseln kann man wunderbare Tages-Wanderungen samt Gepäck durchführen.

Wenden Sie sich gerne an diesen beeindruckenden Biowinzer und erleben Sie neue Welten.

Link: www.weingut-seiler.de