Seit mehr als 25 Jahren gibt es zahlreiche Versuche  – v. a. vom BUND Haßloch (Herr Otterstätter) oder auch von Hr. Sohl (CDU) – im Haßlocher Wald den sog. Flussgraben wieder neu mit Wasser zu beschicken, damit u.a. benachbarte Waldsenken wieder besser mit Wasser versorgt werden. Die oberflächennahen Grundwasserspiegel im Wald sind in den letzten Jahren deutlich abgesunken. Leider waren bisher alle Vorschläge an die Obere Wasserbehörde zur Art der Wasserentnahme erfolglos, da sie ausschließlich nicht genehmigungsfähige Maßnahmen (Reaktivierung von Wehren etc.) zur Wasserausleitung zum Inhalt hatten.

Der sog. Flussgraben ist ein 100% künstlicher Graben, der über etliche Kilometer als Weg begleitende Struktur absolut schnurgerade von West nach Ost durch den Haßlocher Wald führt.

Unsere Ortsgruppe, der NABU Neustadt/Weinstr., hat sich  – ausgelöst durch einige Presseartikel in der Rheinpfalz – ab 2010 intensiv durch eigene Vermessungsarbeiten in diese Thematik eingearbeitet, da das naturschutzfachliche Ziel aus unserer Sicht ganz herausragende Langfristperspektiven bietet! Zu diesem Thema wurde schon 1999 ein Gutachten im Auftrag des BUND Haßloch durch das Büro IUS erstellt (Bearbeitung: Dipl. Geogr. Heiko Himmler: Titel: „Beurteilung der erneuten Anbindung des Flußgrabens südlich von Haßloch an den Speyerbach aus Sicht des Arten- und Biotopschutzes“).

Aktueller Stand: auf der Basis unserer Vermessungsdaten konnten wir eine offensichtlich genehmigungsfähige Variante der Wasserausleitung vorschlagen. Die Gespräche mit der Regionalstelle Wasserwirtschaft und der Haßlocher Verwaltung laufen.

Der verlorene und vergessene Bach

Faszinierend: den Haßlocher Wald durchzieht ein natürlicher Bachlauf, der um das Jahr 1800 durch eine Begradigungsmaßnahme trocken gelegt worden ist!

Durch intensive Recherchen zum Thema Flussgraben machten wir 2010 im Gelände eine faszinierende Entdeckung: durch den Haßlocher Wald verläuft abseits der Wege nahezu unterbrechungsfrei ein hundertfach gewundener, ehemals natürlicher, jetzt namenloser Bachlauf. Er muss nach unseren Recherchen ca. um das Jahr 1800 im Rahmen einer Bachbegradigungsmaßnahme östlich von Speyerdorf vom Zufluss des Speyerbachs abgetrennt worden sein muss und ist dadurch mehr und mehr aus dem Bewußtsein der Bevölkerung verschwunden. Er ist auf keiner aktuellen Karte als ehemals durchgehender Bachlauf zu erkennen.

Bild: kleine Übersichtskarte mit aktuellem Erbsengrabenverlauf, künstlichem Flussgraben und der vom NABU Neustadt/Weinstr. wiederentdeckte „Altbach“ als durchgehendes ehemaliges Fließgewässer im Schwemmfächer des Speyerbachs; Verlauf des früheren Bachlaufs auf der Basis unserer GPS-Loggerdaten (2011/2012) 

Link: ==> historische Karte von P. Dewarat (erschienen 1794 in Mannheim)

Bild: auf dieser historischen Karte ist die Trasse dieses Bachlaufs ohne besondere Namensbezeichnung mitten durch den Haßlocher Wald dargestellt, so wie sie heute noch erlebt werden kann, allerdings ohne Wasser 😉 Interessant: in der Karte sind sowohl Zuflüsse aus dem Speyerbach als auch aus dem Rehbach eingezeichnet. Einen Zufluss soll es östlich der Haßlocher Neumühle Richtung Süden gegeben haben und einen Zufluss oberhalb von Hanhofen aus dem Speyerbach Richtung Norden. Sie belegen, dass Reh- und Speyerbach über weite Strecken in einer künstlichen Hochlage verlaufen und dass offenbar der später still gelegte alte Bach in der Mitte des Schwemmfächers im Bereich der natürlichen Tiefenlage verlief.

Schwach blau unterlegt die ehemalige Bachtrasse. Gepunktet die neue Trasse östlich von Speyerdorf, die ca. um 1800 angelegt worden sein muss.

Einigen Haßlocher Bürgern waren durchaus einzelne Fragmente des ehemaligen Bachlaufs bekannt, allerdings hatte sich bis jetzt noch niemand die Mühe gemacht, die ehemalige Trasse abseits der Wege komplett abzulaufen, zu kartieren und ihn damit als zusammen hängendes hydrologisches System zu verstehen.

Das haben wir jetzt als Erste geleistet und unser erklärtes Ziel ist es, zusammen mit allen Interessierten diesen faszinierenden „Altbach“ im Speyerbach-Schwemmfächer mit seinen benachbarten Senken wieder neu mit Wasser zu beschicken.  Spannend könnte unsere Entdeckung auch im Zusammenhang mit der Haßlocher Hochwasserdiskussion werden!

Bild: in der Hochwassergefahrenkarte ist zusätzlich der alte Bachverlauf rot gepunktet eingezeichnet. Er folgt über viele Kilometer deschwach hellblauen Band, das den überfluteten Bereich bei HQ10 darstellt. Es handelt sich offenbar um den Verlauf der natürlichen Geländerinne, die sich der alte Bach durch Erosion selbst geschaffen hat. Unklar ist, warum im Ostteil der Karte diese Geländerinne nicht weiter dargestellt wird. Auch hier kann man oft schon mit bloßem Auge im Gelände die weitreichende Eintiefung entlang des alten Fließgewässers erkennen.

Bild: typische Szene des von uns wieder entdeckten Altbaches im Haßlocher Wald (Oktober 2012). Wird hier jemals wieder Wasser aus dem Speyerbach oder Hochwasser aus dem Rehbach fließen? Das ist unser Projektziel, wir hoffen auf die gute Zusammenarbeit mit den Haßlochern!

  • Länge der ehemaligen Bachtrasse vom Punkt der früheren Bachbegradigung bis zur Wiedereinmündung in den jetzigen Erbsengraben (Ranschgraben): 13.7 km
  • Bis auf die Unterbrechung im Bereich der Rennbahn Haßloch ist die frühere Bachtrasse ohne Unterbrechung erhalten, als zusammenhängende ehemalige Fließgewässerstruktur aber in keiner uns bekannten aktuellen Karte dargestellt

Dazu haben wir im Frühjahr 2012 erfolgreich angeregt, dass die Haßlocher und Neustadter Naturschutzbehörden für dieses Projekt intensiver zusammenarbeiten. Ergebnis des gemeinsamen Ortstermins: die im Neustadter Wald schon seit Jahren für Naturschutzzwecke aus dem Erbsengraben ausgeleiteten Wassermengen sollen künftig mit Messeinrichtungen erfasst werden, damit ein geplanter Genehmigungsantrag zur Wasserausleitung in den wieder entdeckten Altbach bezüglich der Wassermengen für die Obere Wasserbehörde maximal transparent wird!

Bild: vom NABU Neustadt initiierter und von der Stadt Neustadt organisierter Ortstermin mit Vertretern der Haßlocher Naturschutzverwaltung am 17.4.2012 am Erbsengrabenwehr („Nutria-Wehr“) im Ordenswald (von rechts nach links: Umweltdezernet Herr Jochem (Haßloch), Herr Bub (Haßloch), Herr Baldermann (Neustadt), Manfred Sauter (mit Mütze, Storchenverein Lachen-Speyerdorf), Fritz Thomas (Neustadter „Naturschutz-Urgestein“, am Baumstamm gelehnt, Vertreter von Pollichia und GNOR). Teilweise verdeckt: Frau Kaul (Untere Wasserbehörde Neustadt) sowie eine Praktikantin.